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Nick Cave & The Bad Seeds
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Nick Cave - From Her To Eternity Nick Cave - The Firstborn Is Dead Nick Cave - Kicking Against The Pricks Nick Cave - Funeral… My Trial
"From Her To Eternity" "The Firstborn Is Dead" "Kicking Against The Pricks" "Funeral… My Trial"

"Kicking Against The Pricks"
Vö. 24.04.2009 | Mute

Nick Cave - Kicking Against The Pricks
Im Jahr 1986, als "Kicking Against The Pricks" erscheint, ist Nick Cave 28 Jahre alt und wird in der Presse genau so oft gewürdigt wie angefeindet. Er wird abwechselnd als Genie, als Wahrsager oder als arroganter Irrer bezeichnet.

"Melody Maker" schreibt: 'Kicking Against the Pricks ist auf lässige Weise brilliant genug um Cave's aufgeblähte Selbstüberschätzung zu entschuldigen'. In der gleichen Publikation erklärt Cave, wie er sich in seinem Berliner Versteck furiose Streitigkeiten mit seiner Freundin liefert - und dann Türen knallend die Wohnung verlässt, um zu schreiben. Kein ungewöhnliches Verhalten für einen jungen Mann Ende 20, vor allem nicht für einen, der sich vorzugsweise über Songtexte ausdrückt, und der in der Arbeit eine große Befriedigung findet.

Cave war ungewöhnlich und ist es immer noch. Aber was die Interviewer als arrogant empfinden, mag sehr wohl Ausdruck einer Unsicherheit und Sensibilität sein. Als Glyn Brown Nick Cave im selben Jahr in Berlin interviewt, erklärt er, dass es ihn am meisten berührt, wenn seine Mutter Dinge über ihn liest, die sie traurig machen. Wie auch immer bleibt er, was er ist, und singt sich seine Dämonen von der Seele: in unerwartet rührendem Stil eines Chansonniers und in morbiden Balladen, was eine wesentlich kreativere Art der Problembewältigung darstellt als bei den meisten anderen Menschen.

Die englische Presse war zu jener Zeit einfach noch nicht bereit für jemanden wie Nick Cave. Das kann man umso besser verstehen, wenn man sich anschaut, über was die Journalisten sonst so berichteten: Die Mittachziger bescherten uns Indie-Musik von den Cocteau Twins bis The The, aber das war alles sehr, sehr Englisch und borniert. The Queen is Dead - Morrissey sind über Manchester; die Housemartins über Hull und da mitten hinein platzt Nick Cave mit einem Schwall von blutgetränktem Exotismus.

"Kicking Against The Pricks" war eine Art Warteschleife. Nach ihrem 1984er Album "From Her to Eternity" nahmen die Bad Seeds "The Firstborn is Dead" in den letzten beiden Monaten des selben Jahres auf, mussten dann aber monatelang warten, bis die Rechtsanwälte von Bob Dylan die Genehmigung erteilten, "Wanted Man" auf das Album zu nehmen, so das dies nicht vor 1985 erscheinen konnte. Weil nicht genügend alternatives Songmaterial da war und Nick Cave mitten in der Arbeit an seinem ersten Roman "And The Ass Saw the Angel" steckte, war ein Album mit Coverversionen die offensichtliche Wahl.

Selbst wenn es als Platzhalteralbum gedacht war oder als eine Inszenierung dessen, was als nächstes erscheinen sollte, so wurde es doch mehr als bloß das. Es brachte Cave weiter, enthemmte ihn und gab ihm die Freiheit, die Musik einfach rocken zu lassen, auf eine todbringende Art und Weise. Und es erschloss ihm so ganz nebenbei noch ein wesentlich größeres Publikum. Und das alles, weil sich Nick Cave noch weiter in das amerikanische Herz der Finsternis vorwagte.

Mitte der 80er Jahre waren die USA nicht cool: da war Springsteen, John Mellencamp, Madonna und Top Gun. Für Nick Cave existierte das alles nicht. Er orientiert sich am Amerika von Cormac McCarthy's Blood Meridian, einem Südstaaten Gothic Western voller Sümpfe, pervertierter Religion, extremen Gegensätzen zwischen Gut und Böse und heillosem Chaos. Da kommt Cave zwar nicht her, aber das macht nichts, denn es ist immer die eigene Geschichte, die man erzählt. Cave arbeitet sich durch eine gescheiterte Beziehung und in eine wachsende Antipathie für Musikjournalisten. "Kicking Against The Pricks" hat biblische Anleihen und erzählt von einem Ochsen, der gegen den Treibstock tritt, den der Bauer beim Pflügen benutzt. Nick Cave sieht einen Haufen Treibstöcke und eine Fülle an Schmerzen, die er besingen kann.

Das Album findet in den ersten beiden Liedern zu seinem Thema, zeigt durch John Lee Hooker's "I'm Gonna Kill That Woman", was es ausdrücken will, indem es von Einsamkeit und Isolation zu Wut und Vergeltung berichtet. Aber das bereitet den Hörer keineswegs auf den fünften Song vor, den Umkehrgrenzpunkt des Albums: eine Coverversion von Tim Roses Meisterwerk "Hey Joe". Vor dem Hintergrund der Morricone-mäßigen Gitarre von Hugo Race, die sich wie eine musikalische Schlinge immer weiter um den Rest der Musik zuzieht, setzt Cave seine Westernfehde in Szene. Vergiss´ die Version von Hendrix, das ist dagegen wie eine Ansammlung von Blues Riffs: hier stellen sich Dir die Haare zu Berge, Du siehst vor Deinem geistigen Auge einen Mann unerbittlich die staubige Strasse hinuntergehen, um seine Frau zu töten, Du siehst das Blut im Dreck fließen, Du fühlst was es heisst, das zu tun.

Du hast Dich noch nicht annähernd von diesem Eindruck erholt, da kommt schon "The Singer". Wenn Johnny Cash den Song singt, dann war er der "man in black" mit Gitarre. Hier ist es etwas ganz anderes. Cave spricht die Worte eines zynischen Einzelgängers mit staubigen Stiefeln, der einst umjubelt, nun verstoßen ist: "'I pass a million houses but there is no place that I belong... All the truths I tried to tell you were as distant to you as the moon'. Und Du beginnst zu verstehen, dass Nick Cave zum ersten Mal über die Figur Jesus Christus spricht. Es ist ein Album über Geächtete und Jesus ist der Größte von ihnen.

In dem schnittigen "All Tomorrow's Parties" fragt sich eine Schar von Typen heiser, was die arme, verblendete Kuh wohl anziehen könnte für die armselige Zukunft, die sie sich ausgesucht hat. Ein Schulterzuckendes "By The Time I Get To Phoenix" erlaubt es Cave sich einzubilden, dass er gegangen wäre. Das ist rachsüchtiges Kabarett mit snare drums, Orgel und jazzigem Schlagzeug - und einer Discokugel, in der sich Frauentränen spiegeln.

"Something's Gotten Hold Of My Heart" fügt dem frohlockenden Original von Pitney dunkle Seiten hinzu - in dem Song über den glücklichen Mann, der, wie wir wissen, am Boden ist. Caves Stimme klingt jugendlich und krude, wenn er von dem 'beautiful land' singt, das er gefunden hat, und wie sehr er will, dass sie bleibt 'all of my nights, and all of my days'. Dann ist die Sehnsucht und das Bedauern fühlbar und die Bad Seeds schaffen durch ihre immer haarscharf zwischen Ironie und Herzschmerz oszillierende Interpretation das Tableau, vor dem Cave sein Bild der idealen Liebe beschreibt.

Und da gibt's noch mehr: Cowboysongs und Gospel - aber ich erwähne nur noch den letzten Track des Albums, der die australische Folkband The Seekers, dort hin brachte, wo sie selbst in einer Parallelwelt nicht ankämen. 'Now the cloak of night is falling / This will be our last goodbye / Though the carnival is over / I will love you till I die.' Gegen die verstimmten Harmonien und Blixas sägende, aufgehende Gitarre hört man Nick Caves Gefühl, so ehrlich wie noch nie. Mit seinem unerträglichen Ende - auf zwei sich wiederholenden Tönen - kann einen das Stück zum Weinen bringen.

Nick Cave das perverse Genie? Ja, so was in der Richtung.

From Her To Eternity, The Firstborn Is Dead, Kicking Against The Pricks and Your Funeral… My Trial erscheinen als die ersten vier Neuerscheinungen des digital überarbeiteten Katalogs von Nick Cave & The Bad Seeds Alben im Frühjahr 2009 jeweils mit einer Audio CD mit den digital überarbeiteten Aufnahmen sowie einer DVD mit einer 5.1. Surround Sound-Abmischung des Albums und einer filmischen Dokumentation von Iain Forsyth und Jane Pollard sowie den B-Seiten der Singles und exklusiven Liner Notes.

>> www.nickcaveandthebadseeds.com
>> www.myspace.com/nickcaveandthebadseeds


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